Eine Frage der Zeit – Dissertationsvorhaben an der TU Clausthal

Friedrichshafen, den 2.08.18

In meinem Dissertationsvorhaben an der TU Clausthal bei Prof. Dr. Pfau, möchte ich untersuchen, ob es möglich und sinnvoll ist den Erfolg von Weiterbildungen anhand der Zeit zu messen.

Viele, z.B. Benjamin Franklin, setzen Zeit gleich mit Geld: „Remember that time is Money“ (B. Franklin, 1784).

Dies könnte an unserem sprachlichen Umgang mit ihr liegen. Wenn wir über Zeit sprechen, dann sparen, verbrauchen, verschwenden und investieren wir Sie, genau wie Geld.[1] Allerdings können wir mit der Zeit nicht genau gleich verfahren, wie mit Geld, denn Zeit lässt sich nicht ansparen und verstreicht unaufhörlich. Somit legt Zeit dem Menschen weitaus mehr Zwänge auf als dies Geld vermag (Lash/Urry, 1994).[2] Denn Zeit ist unumkehrbar und verrinnt unaufhaltsam (Junkermann, 2006)![3]

Die Arbeitszeit nimmt zudem einen großen Teil der Lebenszeit eines jeden Menschen ein. Zeit spielt somit für Unternehmen und das Individuum eine große Rolle und sollte sinnvoll eingesetzt werden und nicht verschwendet. Somit liegt es nahe auch Wissenstransfermaßnahmen, für die Arbeitszeit „geopfert“ wird, anhand der Zeit zu betrachten.

Laut Habermann und Lohausen (2011)[4] spielen Wissenstransfermaßnahmen gerade in Zeiten sich rasch ändernder Anforderungen an Unternehmen eine immer größer werdende Rolle. Zumal sich gleichzeitig auch noch der Druck steigert, diese nach Ihrer Wirksamkeit zu bewerten, da Budgetkürzungen im Weiterbildungsbereich immer mehr zu finden sind.

Darüber hinaus haben laut Mankins et al. [5] Unternehmen, die Zeit als eine wertvolle Ressource erachten und somit umsichtig mit ihr umgehen, Gemeinkosten reduziert, vorher unproduktive Zeit freigesetzt und so z.B. Innovationen gefördert.

Berufliche Weiterbildung

Bei diesem Forschungsvorhaben werden lediglich berufliche Weiterbildungen untersucht. Die Definition von beruflicher Weiterbildung der Autorin, dargestellt im unteren Schaubild, lehnt sich an die Definitionen von Weinberg (2000)[6] und das Bundesministerium für Arbeit (BMBF)[7] an. Erwachsenenbildung unterteilt sich in Weiterbildung sowie informelles Lernen. Für diese Arbeit findet lediglich die berufliche Weiterbildung Betrachtung. Berufliche Weiterbildung wird als ein Teil der Weiterbildung verstanden. Der zweite Teil stellt alle schulischen Bildungsmaßnahmen (Allgemeine Erwachsenenbildung) dar und werden in dieser Arbeit nicht betrachtet.

Definition von beruflicher Weiterbildung

Zeit und Weiterbildung

Viele Aspekte sprechen dafür, dass der Erfolg einer Weiterbildung besser mit Zeit als mit Geld gemessen werden sollte. Zum einen schränkt den Menschen die Zeit weit mehr ein, als dies Geld vermag und könnte somit als wertvoller bezeichnet werden:

  • Zeit ist nicht umkehrbar,
  • nicht reproduzierbar und
  • nicht speicherbar.

Geld hingegen kann auf dem Konto gesammelt und via Rücküberweisung wieder zurückgeholt werden.

Daneben ist die Zeit für alle Menschen gleich:

  • Die Uhr ist standardisiert,
  • ein Tag hat 24 Stunden und
  • das Leben geht irgendwann zu Ende.

Geld hingegen unterliegt Währungsschwankungen und der Inflation und ist somit nicht immer gleich und daher schwerer vergleichbar.

Die Zeit ist zudem etwas, was den einzelnen Menschen unmittelbar betrifft und von diesem bewusst wahrgenommen werden kann. Für den einzelnen Mitarbeiter ist es dagegen sehr schwierig seinen persönlichen Einfluss auf monetäre Aspekte im Unternehmen einschätzen zu können. Für einen Verkäufer mag dies noch möglich sein, aber für einen Mitarbeiter in der Marketingabteilung ist dies sehr schwierig. Somit muss immer geschätzt oder die Meinung und das Wissen von Dritten Personen eingeholt werden.

Auch sollte angemerkt werden, dass die Zeit in Bezug auf Stressreduktion und somit Gesunderhaltung der Ressource Mensch eine große Rolle spielt. Und wenn Zeit glücklich macht, dann könnte dies eine Möglichkeit sein die Mitarbeiter zufriedener zu machen und die Bindungsdauer zu erhöhen.

Dennoch sollte bereits hier angemerkt werden, dass auch die Zeit Nachteile hat: Dadurch, dass Zeitbewusstsein gelernt und somit kulturell geprägt ist, könnte diese in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich wahrgenommen werden und verschiedene Relevanz haben. Zudem ist sie eben auch weiteren subjektiven Einflüssen unterworfen. Je nach Alter wird sie anders empfunden, je nach Spaß an der Tätigkeit wird sie im Jetzt bzw. rückblickend verschieden wahrgenommen.

Sofern zeitliche Veränderungen somit nicht im Augenblick mit der Stoppuhr gemessen, sondern im Nachhinein abgefragt werden, könnten die Ergebnisse durch die Subjektivität der Probanden beeinflusst werden.

Konstrukt Zeiterfolg

Was soll nun aber genau gemessen und untersucht werden? Jedem Mitarbeiter steht ein bestimmtes, vertraglich und gesetzlich begrenztes Zeitpotenzial zur Verfügung, die vorhandene Arbeitszeit. Diese Arbeitszeit wird von Faktoren beeinflusst: Zum einen wird sie von der Verfügbarkeit, z.B. durch Krankheitstage und Urlaubstage, beeinflusst. Zum anderen über die Produktivität der genutzten Zeit, also die nützlich bzw. unnütz eingesetzte Arbeitszeit. Das vorliegende Zeitpotenzial des Mitarbeiters wird durch den Besuch der Weiterbildung minimiert, da er sich zu diesem Zeitpunkt nicht mit seiner eigentlichen Arbeit beschäftigt und gegebenenfalls an einem anderen Ort ist. Sofern die Weiterbildung aber erfolgreich war und der Mitarbeiter neues Wissen und neue Fähigkeiten gelernt hat, wird die vorhandene Arbeitszeit durch die nun produktivere Nutzung (sofern die neuen Fähigkeiten auch angewendet werden) positiv beeinflusst und ein Zeiterfolg generiert.

Forschungsvorhaben

Das Hauptaugenmerk dieses Forschungsvorhabens liegt darauf herauszufinden, ob das Kriterium Zeiterfolg ein geeignetes Messinstrument ist, wenn es darum geht Weiterbildungen zu bewerten.

Zudem gilt es zu erörtern unter welchen Umständen das Zeit-Kriterium besonders bzw. wenig geeignet ist. Als drittes soll untersucht werden, ab wann sich der eingesetzte Zeitaufwand für die Maßnahme gelohnt hat, d.h. wann sich der eingesetzte Zeitaufwand amortisiert (=Break Even Point der Zeit).

Die Autorin hat ein Evaluationsinstrument entwickelt, welches Sie nun im Laufe Ihres Promotionsvorhabens an der TU Clausthal erforscht. Mit Hilfe von Fragebögen an drei unterschiedlichen Zeitpunkten soll untersucht werden, ob sich der Weiterbildungserfolg mit Hilfe des Konstrukts Zeiterfolg darstellen lässt.

Das Instrument misst Daten vor, kurz nach und 100 Tage nach einer Weiterbildung. Neben den Erfolgsvariablen werden noch Rahmen- und Umfeldfaktoren abgefragt, um feststellen zu können, ob die erhaltenen Ergebnisse auch tatsächlich auf die Weiterbildung zurückzuführen sind.

Untersucht werden sämtliche Formate und Themen von beruflicher Weiterbildung. Ebenso sind alle Branchen und Berufsgruppen relevant.

Eine Frage der Zeit – Lässt sich der Erfolg einer beruflichen Weiterbildung mit Hilfe der Zeit darstellen? Dieser spannenden Frage werde ich nachgehen.

Stay tuned!

Sarah Gander

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an mich: gander@iwt-bodensee.de; 07541 40294 – 13

 

[1] Vgl. Adam 2005, S. 128 gefunden in Schöneck, M: 2008, S. 116

[2] Vgl. Lash/Urry 1994, S. 226 gefunden in Schöneck, M: 2008, S. 116

[3] Vgl. Junkermann, T.: 2006, S. 6

[4] Vgl. Habermann, W./Lohausen, D.: 2011, S. 141

[5] Vgl. Mankins, M./Brahm, C./Caimi, G.: 2014, https://hbr.org/2014/05/your-scarcest-resource (8.03.16)

[6] Vgl. Weinberg: 2000, zitiert nach: Dietrich, S. 35ff

[7] Vgl. BMBF, https://www.bmbf.de/de/weiterbildung-71.html (Abruf 4.11.16)